Hoffnung, aus der wir leben

Evangelium - „Alles wird gut!"

Kann das sein? Ist das möglich?! Der zu Tode gequälte Jesus lächelt sanft im Sterben. Freilich handelt es sich nicht um eine Aufnahme des Justizmordes, der fast 2.000 Jahre zurückliegt. Ein Bildhauer des Mittelalters legt dem Gestorbenen Frieden (Shalom) ins Antlitz und trifft damit den Kern der Frohen Botschaft des Christentums: Alles wird gut. Und damit ist nicht der euphemistische Spruch gemeint, der uns heute so leicht über die Lippen geht - „Alles gut!" -, sondern die Quintessenz des Evangeliums: die gute Botschaft davon, dass Gott in Jesus Christus den Menschen nahegekommen ist und ihnen für immer nahe bleibt.

„Evangelium" bedeutet so viel wie „Gute Nachricht" und kommt vom griechischen Wort euangelion. Die Texte, die wir als Evangelien kennen, enthalten aus verschiedenen Perspektiven die gute Nachricht, dass Gottes Reich angebrochen ist. Oder anders gesagt: Nichts in dieser Welt ist egal oder vergebens - auch wenn uns das manchmal so vorkommt. Jeder Moment des Lebens ist für die Ewigkeit bestimmt, wird in eine neue Wirklichkeit mit und in Gott münden. Wir dürfen unsere Angst in Grenzen halten, denn alles, was für uns von echter Bedeutung ist, ist bereits aufgehoben für eine Zukunft, die niemanden ausschließt - vermutlich nicht einmal unsere Mitgeschöpfe, die Tiere.

Menschen, die darauf skeptisch reagieren, sind mir sympathisch. Denn solch eine umfassende Hoffnungsperspektive sollte sich, wenn sie tragen soll, auf gute Argumente stützen. Noch vor ein, zwei Generationen hatten die Menschen eher eine Vorstellung davon, welche „Zukunft" Sterbende nach dem Tod erwartet: Auferstehung, Gericht und - „wenn es gut geht" - Ewiges Leben. Heute sind uns, was das betrifft, die Worte ausgegangen. Schlimmer noch: die harten, die schreckenden Begriffe „Hölle" und „Gericht" haben sich in den Vordergrund geschoben. Was wir unter „Himmel", „Ewigem Leben" und der unmittelbaren „Schau Gottes" verstehen können, das macht uns sprachlos. Es fällt uns schwer, auszudrücken, was wir erhoffen und davon anderen mitzuteilen. „Alles wird gut!" - das ist zu übersetzen in Bilder der Hoffnung, an die wir unser Herz hängen können und die unserem Verstand dort eine Brücke bauen, wo er nicht weiterkommt.

Antlitz Christi, Kreuz in der Kapelle der Burg Xavier, Navarra/Spanien, 12. Jhd., Santuario Xavier

Zurück