Was ist Ihr „Salz in der Suppe“?

Was ist Ihr „Salz in der Suppe“? Was gibt Ihrem Leben Würze? Fragen, die sicherlich sehr individuell beantwortet werden. Ist es das Fußballspiel am Wochenende, die Skatrunde, der Theaterbesuch, das Essen im Restaurant? Alles Aktivitäten, die in den letzten Wochen und Monaten nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich waren. Wenn etwas Selbstverständliches auf einmal nicht mehr möglich ist, spüre ich, wie wichtig es mir wirklich gewesen ist. Oder ist ein schöner Abend im Kreis der Familie, das gemeinsame Singen im Chor, die Stunde allein mit einem guten Buch oder ein Gottesdienst Ihr „Salz in der Suppe“; das, was Ihr Leben ein klein wenig heller macht?

Im Evangelium ist in der Bergpredigt auch von Salz und Licht die Rede. Gemeint ist natürlich nicht der Fußball, den gab es zur Zeit Jesu so noch gar nicht, oder eine andere Aktivität, die dem Wechsel von Arbeit und Freizeit die richtige Würze gibt. Jesus spricht vom Salz und vom Licht und meint damit zunächst seine Jünger - und jetzt, fast 2.000 Jahre später, auch uns, die Christen. Wir sind Salz und Licht.

Zwei Dinge sind mir dabei wichtig. Wir sind Salz und Licht nicht für uns selbst, sondern „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ - also für unsere Mitmenschen. Und wir sind es schon. Jesus sagt nicht, dass wir es sein oder werden sollen; er spricht davon, dass Christen schon Salz und Licht sind, nicht erst noch werden müssen. Jesus traut uns etwas zu. Was kann das konkret bedeuten - für mich, für Sie, für jeden Christen?

Beide Bilder, das vom Salz der Erde und das vom Licht der Welt, sprechen von der Wirksamkeit des Christen in der Welt. Keine Straße oder Stadt, in der Christen wohnen, darf wie eine Straße oder Stadt sein, in der keine Christen leben. Kein Betrieb und keine Klasse, in der Christen arbeiten und lernen, dürfen sein wie ein Betrieb oder eine Klasse ohne Christen. Die Gegenwart von Christen muss spürbar, muss erfahrbar sein - ein großer Anspruch. Doch Jesus redet von unterschiedlichen Wegen, auf denen Christen diesen Anspruch erfüllen können. Das „Salz“, es wirkt eher unscheinbar, unsichtbar, man „schmeckt“ oder vermisst seine Gegenwart, doch das „Wirken des Salzes“ geschieht im Verborgenen.

Einladung für alle Christen, die nicht im Mittelpunkt stehen möchten und dennoch als Christen wirken. Und daneben gibt es die Christen, die wie ein Licht auf dem Leuchter im Rampenlicht stehen können und möchten. Die dann ihre größte Wirkung erzielen, wenn die Menschen zu ihnen hinschauen. Auch das verurteilt Jesus nicht, sondern lässt es gelten. „Salz der Erde“, „Licht der Welt“ - hohe Ansprüche, doch menschliche Wege sie zu erfüllen. Versuchen Sie es doch in diesen Wochen: so zu leben, dass die Menschen in Ihrer Umgebung spüren: Wir sind Christen.

Michael Tillmann

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